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Pressemeldung – 29.02.2020

Nachlese: Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani im Haus der Integration

Großes Interesse an Führung, Vortrag und Diskussion im Haus der Integration am 19.02.2020 zu „Paradoxien der Teilhabe“

Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani verband bei seinem Vortrag zum Thema „Paradoxien der Teilhabe“ im vollen Veranstaltungsraum im Haus der Integration virtuos die Thesen seiner Bücher „Das Integrationsparadox“ (KiWi 2018) und „Mythos Bildung“ (KiWi 2020).

Dr. Stefan Kühn begrüßt die zahlreichen Gäste

Zuvor begrüßte Dr. Stefan Kühn alle Anwesenden und beschrieb die Wuppertaler Idee, die Integration als Aufgabe der Stadtgesellschaft begreift. Ein Ergebnis ist das bundesweit beachtete Haus der Integration, in dem das Ressort Zuwanderung und Integration und die Jobcenter Wuppertal AöR unter einem Dach agieren. Seit Ende letzten Jahres hat sich das Aufgabengebiet der Geschäftsstelle 8 zebera (Zentrale Erstantrags- und Beratungsstelle) der Jobcenter AöR erweitert, sie ist nun für alle Neuzugewanderten zuständig.

Arlin Cakal-Rasch, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, verdeutlichte das Konzept der gemeinsamen Veranstaltung vom Jobcenter und dem Kommunalen Integrationszentrum: Öffnung des Haus der Integration für alle Interessierten und Diskussion aktueller Themen. Im Weiteren übernahm sie die Moderation und stellte kurz Aladin El-Mafaalani vor.

Konflikte entstehen nicht, weil die Integration von Migranten*innen und Minderheiten misslingt, sondern weil sie zunehmend gelingt.


Wer sitzt heute am Tisch?

Konflikte entstehen nicht, weil die Integration von Migranten*innen und Minderheiten misslingt, so El-Mafaalani, sondern weil sie zunehmend gelingt. Das sei für alle Beteiligten anstrengend, doch dadurch kämen Gesellschaften in Bewegung. Integration verstärke zunächst den Rassismus in einer Gesellschaft, Privilegien müssen geteilt oder aufgegeben werden.

Bei seiner Analyse von Gesellschaft und deren Veränderung benutzt El-Mafaalani eine Tischmetapher. Früher saßen hier ausschließlich weiße, vermeintlich heterosexuelle Männer zusammen. Mit der Zeit nahmen immer unterschiedlichere Gruppen mit immer unterschiedlicheren Interessen am Tisch Platz. Dazu zählen u.a. Frauen, Homosexuelle, Migranten*innen, Menschen mit Beeinträchtigungen, heute auch Ostdeutsche. Am Beispiel der Frauen beschreibt er die Veränderung. Mit den ersten Frauen am Tisch entwickelte sich die Forderung nach mehr Teilhabe am Geschehen und der Kampf darum, dies allen Frauen zu ermöglichen.

„Dieser Prozess", so El-Mafaalani, "ist noch lange nicht abgeschlossen, wie wir wissen.“ Je mehr Integration, desto mehr Teilhabe für Benachteiligte und Minderheiten, desto mehr Mitsprache an Gestaltungsprozessen, desto mehr Gegenwehr, so lautet die Zusammenfassung.

Mythos Bildung

Aladin El-Mafaalani, der seit Herbst 2019 als Professor für Erziehungswissenschaften in Migrationsgesellschaften an der Uni Osnabrück lehrt, bleibt bei seiner Tischmetapher auch, wenn es um den Mythos Bildung geht. Menschen bleiben am Boden oder stehen nur am Rand, sie gehören nicht zur Tischgesellschaft.

Durch die Bildungsexpansion in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts gelang eine Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen, die vormals vielen nicht möglich war. Weiterhin sind Zugänge aber nicht gleich leicht. Es herrscht soziale Ungleichheit, die aber nicht ungleich behandelt wird. Noch schlimmer: da heute vergleichsweise wenig Menschen noch am Boden sitzen, wird einerseits diese Situation als dramatisch schlimmer gewertet. Andererseits ist die Entsolidarisierung mit den „Schwachen“ die Folge, sie sind selbst schuld, lautet nun die Bewertung.

Nun kommt noch ein Weiteres dazu: es herrscht eine resignative Struktur am Boden. Das frühere Aufstiegsversprechen: „Wenn du dich nur anstrengst, wirst du belohnt“, hat heute an Gültigkeit verloren. Denn mit dem verbesserten Zugang zu Bildung geht eine Entwertung der Bildungsabschlüsse einher. Der Doppelcharakter von Bildung liegt in der Legitimation von sozialen Unterschieden: wer besser gebildet ist, sollte mehr verdienen.

In der anschließenden Diskussion ging es um die Frage nach Ideen, auf parallelgesellschaftlichen Strömungen der Gegenwart zu reagieren. Hier hat Aladin El-Mafaalani keine Rezepte im Kochbuch, um im Tischbild zu bleiben. Aber insgesamt verteilt er für die Bereiche Integration und Bildung in Deutschland die Schulnote drei plus.

Die Herausforderung wird sein, Kinder auf eine ungewisse Zukunft vorzubereiten, wenn uns die Gegenwart bereits überfordert und Visionen fehlen. Und: Kuschelig wird es nicht werden.

In der Nacht fand der Anschlag in Hanau statt.

Große Nachfrage bei den Führungen durch das Haus der Integration

Vor der Lesung fand eine Führung durch das Haus der Integration statt. Knapp 50 Personen nahmen teil. Sie wurden von Mitarbeiter*innen in „gemischten Teams“ (Ehrenamt und Projekte vom Kommunalen Integrationszentrum und der Beratungs- und Koordinierungsstelle des Jobcenters) empfangen und durch die verschiedenen Abteilungen des Haus der Integration geführt.

Frau Monika Maas
Fachkraft

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